Exhibition

A Word of Warning

19 Sep 2019 – 22 Sep 2019

Regular opening hours

Thu, 19. Sep
13:00 – 20:00
Fri, 20. Sep
13:00 – 20:00
Sat, 21. Sep
13:00 – 20:00
Sun, 22. Sep
13:00 – 20:00

Spike

Berlin
Berlin, Germany

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Die eine Welt, die Du kanntest, hat es nie gegeben. Es gab immer schon mehr als bloß eine, und die war nur ein Traum. Willkommen in den Wirklichkeiten. Warnung: es geht an die Substanz. Hinweis: Es kann noch viel passieren.

About

Die Stipendiat*innen und Assoziierten der Graduiertenschule Yalda Afsah, Neslihan Arol, Anthony Green, Rindon Johnson, Mariam Mekiwi, Didem Pekün, Romily Alice Walden präsentieren Performances, Screenings, Installationen und Gespräche. Kurator: Jan Verwoert.

Ein Projekt der Graduiertenschule der Universität der Künste Berlin.

19.09. 19:00Uhr Vernissage, Performance Anthony R. Green
21.09. 19:00Uhr Filmvorführung
22.09. 18:00Uhr Diskussion/ Finissage
Öffnungszeiten: 20.-22.09.: 13 bis 20Uhr

Rollstuhlfahrer*Innen können mit Hilfe einer Rampe in die Spike Gallery/ Ivonne Lambert gelangen. Es gibt dort barrierefreie Toiletten. Der Veranstaltungsort ist in der Nähe der Station Rosa-Luxemburg-Platz (kein Aufzug). Die nächste rollstuhlgerechte Station ist Alexanderplatz (~ 850m). Es gibt Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne. Es wird kein Ausweisdokument benötigt. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an bas3@intra.udk-berlin.de.

Konzept: Ein Wort der Warnung

Erwarte keinen Kommentar. Diese Kunst hechelt dem Lauf der Dinge nicht hinterher. Hinter der Achterkugel wird keine Handpuppe mit Kulleraugen hervorschauen und ihre Einschätzung der verfahrenen Lage anbieten, in der sich die Welt befindet. Warum würden sich Handpuppen auch je damit begnügen, auf Dinge bloß zu reagieren, wenn sie Wirklichkeiten formen können. Ich meine formen, nicht fälschen. Großer Unterschied. Träume eilen Ereignissen voraus, sie lassen dich sehen, was geschehen wird und wie dem Schicksal vielleicht noch eine andere Wendung zu geben wäre. Handpuppen vermögen, den eindringlichen Visionen und Vorahnungen, die dir der sechste Sinne fürs Surreale eingibt, eine Stimme zu verleihen. Ein traditionelles Beispiel dafür ist das Schattenspiel, es verwandelt flache Puppen auf Stöcken in belebte Zeichen zur Mitteilung von Wahrheiten, die anders gar nicht auszusprechen wären. Vogelflug am Himmel beobachtend, sahen die Auguren alter Zeiten klar den Schatten, den die Zukunft auf die Gegenwart wirft. Manche Comedians von heute erkennen mit derselben Genauigkeit, welche Entwicklungen sich am Horizont politischer Debatten abzeichnen. Es braucht ein gutes Auge fürs Absurde, um die Simulakren zu durschauen, die die Herrschenden am Ort (und anstelle) der Wirklichkeit errichten, und zu den Regionen geteilten Lebens vorzustoßen, in denen Monster geboren werden. Ein russischer Kollege hat mir den derzeit lustigsten Witz in seiner Sprache erzählt: Was passiert, wenn im Wald ein Auto brennt? Ein Bär kommt vorbei, setzt sich rein und stirbt.

Erwarte keine falsche Höflichkeit. Diese Kunst ist ausgesprochen direkt. Sie wird gemacht von den Nachfahren von Unterwasservölkern mit mehr als einer Mutter, auf der Suche nach neuen Wegen, Körper ins All zu bringen. Diese Kunst spricht all die Frösche an, die in VR Kneipen an der Theke stehen, weil es wert ist, zu wissen, auf wessen Seite diese ganzen Kermits stehen. Diese Kunst gibt dem Kameraauge einen Leib und bewegt sich im Rhythmus des Ansteigens und Abebbens von Adrenalin in den Adern junger Männer, die, wie magnetisiert, das Kommen und Gehen eines unsichtbaren Monsters verfolgen. Niemand hat bisher vollständig feststellen können, wozu Körper in der Lage sind; also stellt diese Kunst alle zur Rede, die fatale Vorstellungen von leiblicher Leistungsfähigkeit verbreiten. Diese Kunst lässt nicht zu, dass die schiere Anzahl der Männer, die auf US-amerikanischen Straßen von Gesetzeshütern erschossen werden, uns von dem Grund ihres Todes ablenkt. Diese Kunst trauert. Es kann sein, dass die vielen Stimmen dieser Kunst einen merkwürdigen Klang an sich haben. Das liegt daran, dass sie mit gutem Glauben voluminöse Begierden ansprechen.

Voluminöse Begierden attackieren den hohlen Fetisch der Macht, der den Zugang zum Realen versperrt. Präsidenten und Premierminister entscheiden heute Wahlen, indem sie Politik zu einem Witz machen, den jeder versteht. Der Bluff ist eine anerkannte Hausmarke. Besser die Lüge, die du kennst, als der Vertrag, den du fürchtest. Mit Augenzwinker-Pessimismus immunisieren sich Konservative gegen guten Glauben, seit Hobbes ihr Motto geprägt hat: „Wölfe würden Top-Down-Management wählen. Wollen wir es nicht alle?“ Ich habe einmal einen Coyoten gesehen, der mich vom Unterholz aus beobachtete. Sein stechender Blick wirkte auf mich nicht so, als ob er sich nach einer starken Hand umsah. Hält man sich an das, was besagtem Bär im Wald widerfährt, dann ist wirkliches Lachen nicht verpflichtend: Manche der besten Witze der Welt sind an sich echt nicht komisch, also zwingen sie nicht zum Mitlachen. Solltest du trotzdem irgendwann kichern, liegt es vielleicht daran, dass du das Schicksal des Bärs nachempfinden kannst und weißt, was es heißt, sich Ärger einzuhandeln. Wenn voluminöse Begierden die schlechte Ehe scheiden zwischen der wahren Liebe zum Absurden und dem elenden Fatalismus, den Autokraten ausbrüten, dann verwandeln sie vielleicht die Affinität zum Düsteren in besondere Hellsichtigkeit. Erwarte nicht, dass die Kunst in dieser Ausstellung irgendwen von der Notwendigkeit erlöst, auf Veränderung zu drängen. Aber vertrau darauf, dass sie dich auf diesen Drang einstimmt.

--- english version ---

The one world you knew never existed. There's always been more than one, and that one was but a dream. Welcome to realities. Warning: this goes to the core. Note: lots may still happen.

A project with performances, exhibition and talks by the fellows and associates of the Graduate School, Yalda Afsah, Neslihan Arol, Anthony Green, Rindon Johnson, Mariam Mekiwi, Didem Pekün and Romily Alice Walden, curated by Jan Verwoert.

19/09, 7pm vernissage, performance Anthony R. Green
21/09, 7pm film screening
22/09, 6pm discussion / finissage
opening hours exhibition: 20 -22/09 1pm – 8pm

Spike Gallery/ Ivonne Lambert is wheelchair accessible via ramp. There are accessible toilets in the venue. The venue is nearest to the metro station Rosa-Luxemburg-Platz station (no elevator). The nearest wheelchair accessible station is Alexanderplatz (~ 850m). There are seatings with backs available. No ID necessary for entry. Please contact bas3@intra.udk-berlin.de for more information.

Concept: A word of warning

Expect no commentary. This art doesn't come after the fact. No googly eyed puppet will peek out from behind the eight ball and offer opinions on the fix we're in. Why would puppets limit their role to being reactive when reality is theirs to forge? I mean forge, not fake. Big difference. Dreams precede events, they let you see what's about to take place and how fate may possibly still be changed. Let puppets voice the lucid visions and premonitions which a sixth sense for the surreal can give you. Shadow play is an ancient tradition, it turns flat puppets on sticks into the animated signs for telling truths that can't otherwise be voiced. Augurs of ancient times understood the flight of birds to foreshadow the future. Today, some comedians scan the skies over political debate with equal precision. Without a firm grasp on the absurd, how could you look beyond the simulacra erected in the place of the real by the powers that be, and touch on those spheres of common life in which monsters are born? A Russian colleague told me the funniest joke in his language today: What happens when a car burns in the forest? A passing bear sits in it, and dies.

Expect no false politeness. This art speaks boldly. It's made by descendants of subaquatic people with more than one mother, in hot pursuit of new technologies for sending bodies to space. This art seeks contact to frogs lining the bar in VR waterholes because it's worth knowing whose side all those Kermits are on. This art adds a body to the camera eye, as it moves in step with the ebb and flow of you men magnetised by the coming and going of a monster offscreen. No one has yet determined what bodies are capable of so this art challenges anyone to a fight who maintains ignorant notions of ability. This art won't allow the dizzying number of men dying at the hands of law enforcers on US streets distract from why they get shot, this art mourns. The many voices of this art may sound like they have a strange ring to them. But that's only because they faithfully resonate with voluminous desires.

Voluminous desires oppose the hollow fetishes of power that block access to the real today. Presidents and prime ministers win the vote by making politics look like a joke everyone can be in on. Bluff is a recognisable brand. The con you know is better than the contract you fear. Nudge nudge pessimism has granted Conservatives immunity from good faith ever since Hobbes coined their motto: "Wolves ask for top down management. Aren't we all?" I once saw a coyote watch me from the trees, and its piercing eyes didn't strike me as looking for guidance. Least of all, from right wing killer clowns. If what happens to that bear in the forest is anything to go by, true laughter is not binding. Some of the best jokes in life are profoundly unfunny, so they don't force you to laugh along. Should you, however, eventually giggle, it may be because you feel for the bear and know what it means to get yourself into trouble. When voluminous desires make the love of the absurd break its bond with the brand of fatalism that autocrats breed, the affinity to all things noir may turn into an otherworldly kind of clairvoyance. Don't expect the art in this show to deliver anyone from the need to keep pushing. But trust it to transpose the tune to the key of "push".

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