Exhibition

Extended Compositions

7 Mar 2015 – 29 Mar 2015

Berlin
Berlin, Germany

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Die Ausstellung EXTENDED COMPOSITIONS zeigt das Beziehungsgeflecht zwischen bildender Kunst und Musik in der strukturellen Verzahnung beider Ausdrucksformen und macht eine neue und eigenständige Form von künstlerischer Praxis sichtbar, hörbar – und spürbar.

About

Ausgehend von Ansätzen wie der Synästhesie des russischen Komponisten Alexander Skrjabins, der sich mit seinem Farbenklavier der Kunst öffnete, oder Hans Richter, der als bildender Künstler mit dem kontrapunktischen Denken musikalische Ansätze ins Optische und Filmische übertrug, zeigt die Ausstellung eine neue künstlerische Praxis im Spannungsfeld von musikalischer und visueller Komposition. Die gezeigten Werke verbinden Musik und bildende Kunst in einer dezidiert non-hierarchischen, aber aufeinander bezogenen, audiovisuellen Weise und reflektieren formale Grundlagen dieser beiden Kunstformen und deren Transgression.

Hans Richter, der als Initial dieser jungen Praxis gelten kann, gestaltet in seinem Film Rhythmus 21 (1921) rhythmische Bewegung von geometrischen Formen als „visuelle Musik“, ohne jedoch eine akustische Ebene mitzuliefern – und doch ruft das Bild einen virtuellen Ton ins Bewusstsein. Auf Richters Film aufbauend erarbeitet Daniel Kurth in seiner Videoinstallation Back To The Future / Straight To The Past (2010) eine neue Komposition des im Film dargestellten musikalischen Konzepts.

Die Rezeption von Bewegung, Bild und Ton im Film hinterfragt Fabian Rockenfeller in seiner Videoinstallation Motion Study (2010), in der die Aufnahme einer Frau vor einer neutralen, weißen Wand mit den Geräuschen eines fahrenden Zuges hinterlegt ist. Die aus der Montage von Klang und Bild entstehenden audiovisuellen Gegensatzpaare und Spannungsverhältnisse sind auch Ausgangspunkt für die Videoarbeiten Arkadien unter Glas (2013) von Pascal Schärli und False Friends (2007) von Antje Vowinckel und Steffi Weismann.

Inspiriert von László Moholy-Nagys Licht-Raum-Modulator (1922-1930) schafft Barbara Kasten in ihrem Video Shadow=Light (2010) eine kaleidoskopartige Komposition von Reflexionen und Spiegelungen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Hiromi Ishii in ihrer Videoarbeit REFRACTION (2010) – einem stark reduzierten Arrangement aus Bewegungen von Licht und Schatten, in dem Einzeltöne der japanischen Shakuhachi-Flöte die tonale Ebene bilden.

Bewegung als strukturelle Schnittstelle zwischen Bild und Musik ist auch eine zentrale Kategorie in Ellen Fellmanns Arbeit Rot (2007). Als Ergebnis eines erweiterten Kompositionsprozesses mit Bewegtbild werden zeitliche wie räumliche Schichtungen formbildend und führen zu einer „medialen Polyphonie“.

Stefan Roigks Skulpturen in Imaginary Soundscape No. 6 (2012) schaffen ein plastisches Konstrukt akustischer Formensprache, das von musikalischen Ereignissen inspiriert ist und dessen räumliche Verortung beim Rezipienten imaginierte Töne, Akkorde und Klänge hervorruft. Gregor Hildebrandt wiederum interpretiert in seiner Installation Weiße Nacht hängt an den Bergen (2009) ein Musikstück rein skulptural als Erinnerungsbild. Das Magnetband – üblicherweise Träger von Musik – nimmt hier die Form einer visuellen Partitur an.

Einem weiteren Sinn, nämlich dem Tastsinn, öffnet sich die Ausstellung in Leo Hofmanns Arbeit Muschelrauschen (2011), in dem Kopfhörer das Ohr zusätzlich zum Klang auch mit Luftstößen bespielen. Der Luftausstoß beim Sprechen und Atmen wird in einem intimen taktilen Ereignis imitiert.

EXTENDED COMPOSITIONS ermöglicht eine sensorisch sich ergänzende – eben intersensorische – Verknüpfung von Musik und bildender Kunst und fokussiert den interdisziplinären Diskurs, der bisher von einem eher weitläufigen, offenen Diskurs der Klangkunst bestimmt war.

Begleitend zur Ausstellung werden an einem Abend im RADIALSYSTEM V die Zwischenräume von musikalischer und visueller Komposition mit deutschen Erstaufführungen internationaler KünstlerInnen und MusikerInnen zu hören und zu sehen sein.

EXTENDED COMPOSITIONS ist ein Projekt von Ellen Fellmann, veranstaltet vom Kunstquartier Bethanien in Zusammenarbeit mit RADIALSYSTEM V, dem Elektronischen Studio der TU Berlin und der Hochschule der Künste Bern. 
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia."

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