Exhibition

Exhibition of Jenny Brockmann and Patrick Luetzelschwab

17 Oct 2014 – 27 Nov 2014

galerie gerken

Berlin, Germany

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  • U2 Rosa-Luxemburg-Platz, U8 Weinmeisterstraße

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Jenny Brockmann / Text / 2.500 Z Der forschende intellektuelle Eifer, mit dem Jenny Brockmann ihre Werke gleichermaà Š¸en als autonomes Objekt und als Lehrbeispiel (im Sinne eines diskursiven Gebildes) entwickelt, ist im Rahmen der Gegenwartskunst ungewöhnlich. Seit Joseph Beuys' künstlerisches Sendungsbewusstsein verhallt ist, gibt es in Ausstellungen junger Künstler und Künstlerinnen immer weniger „zu lernen“. Künstlerisch als auch politisch Interessierte haben kaum noch Umgang miteinander, obwohl man einander regelmäà Š¸ig verspricht, sich um gemeinsame Themen zu bemühen. Insofern ist Jenny Brockmann eine Künstlerin des fachgerechten Brückenbaus und der philosophischen Diskurserweiterung. Das historisch Neue der von ihr angestoà Š¸enen Debatten liegt in einer Sphäre der à Š“berschneidung von innerkünstlerisch autonomen Aspekten des Kunstwerks mit Fragen der Publikumsbeteiligung am ästhetischen Rezeptions- d.h. in diesem Fall: dem Gestaltungs- bzw. Vollendungsprozess des Werkes. Jenny Brockmann verzichtet dabei völlig auf Effekthascherei, steht insofern wohl eher in einer deutschen als einer amerikanischen Traditionslinie, und legt besonderen Wert darauf, jedes Kunstwerk Kommunikationsmittel sein zu lassen, um gesellschaftliche Verhältnisse herzustellen. Ich würde sagen: Jenny Brockmann interpretiert und produziert Kunst mit einem Wirklichkeitssinn und im Glauben an deren Möglichkeitssinn. Sie ist Bildhauerin im klassischen wie im Beuysschen Sinne. Daraus folgt: Ihre Kunst ist letztlich menschliches Handeln, selbst dann, wenn es zu Dingen gerinnt. Und sie wirkt auf die Handlungen der Menschen zurück. Wie dieses Wechselspiel funktioniert, das zeigt Jenny Brockmann mittels Erfahrungsräumen, Erklärungsmodellen und Versuchsanordnungen. Seit gut zehn Jahren experimentiert sie mit gewohnheitsmäà Š¸igen, ethischen und existentiellen Territorien von Körper, Raum und Leib bis hin zur performativen Erforschung des urbanen Raumes (1). Sie denkt nach über das Wesen des Raums, reflektiert Sein und Leere, Grenzflächen und Nichts. Häufig hat sie im Denkrahmen organizistischer Fantasien ihre Skulpturen mechanisch animiert, um ihnen einen pseudoorganischen Charakter zu verleihen bzw. sie hat das Menschlich-Organische auf Raumzusammenhänge übertragen, um von der Einheit des Universums zu künden. Kunst vermag sich auf diese Weise an Wirklichkeiten heranzutasten, für die der aufgeklärte Alltagsverstand naturgemäà Š¸ blind ist. Christoph Tannert (1) In den Projekten „Chronicle of a place“ (2014, Tel Aviv), „East River Expedition“ (2013, New York) und „Istanbul“ (2013). Diese verstehen sich als Momentaufnahmen des Ichs, sind Erlebnis und Reflexion eines subjektiven Erfahrungsraums und brechen den touristischen Blick. Patrick Luetzelschwab / Text2 Die Wurzeln seiner Kunst liegen im Bereich von Graffiti und Street-Art. Etwa von 1992 bis 2005 war Patrick Luetzelschwab in der Szene aktiv. Der à Š“bergang in die Atelierperspektive gestaltete sich langsam. Er erfolgte über diverse Angebote der Legalität, etwa Wand-Aufträge. Kein Sprayer arbeitet heute nur illegal. Das illegale „Bombing“ hat den Spirit und kreiert den Namen, die legale Praxis, sofern es gut läuft, den Broterwerb. Und irgendwann wird auch ein Sprüher erwachsen. Heute hat Luetzelschwab Familie und drei Kinder. Das minimiert die Nachtaktivitäten. Aber seine Thematik ist geblieben — die Lust, Emotionen auszuleben, die Arbeit an jenem Tagebuch, das nur der Sprayer lesen kann, auf die Gestaltung des urbanen Raumes als Gegengewicht zur Dominanz der Werbeplakate und dem Grau der Vorstädte. Luetzelschwab hat mit bekannten Sprayern zusammengearbeitet, etwa mit dem zu früh verstorbenen Sigi von Koeding (Künstlername "DARE") und er hat seinen ästhetischen Horizont erweitert durch ein Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Basel. Doch die Leidenschaft für das Sprühen ist geblieben. Der Verbindung einer Street-Art-Haltung mit veränderten und aktualisierten Ausdrucksmöglichkeiten gilt sein gegenwärtiges Interesse. Es ist nach wie vor die Welt der verlassenen und abgewrackten Industrieanlagen, Gleis-Arreale und Stellwerke, die ihn anzieht. Luetzelschwab verwendet fotografische Motive, die ein riesiges melancholisches Reservoir bilden, es reicht von Freiheit bis Einsamkeit und impliziert diverse Ebenen ästhetischer Veränderung. Sein Realismus bringt Subkultur und Hochkultur zur Deckung, die Codes der Tristesse-à Š“berwindung mit dem Kunstmarkt. Durch die Vernetzung des Sprayens mit den Techniken bildnerischer Modifikation ist Luetzelschwab auf seine Weise ein Reisender, ein Vertreter einer unsteten nonkonformen Seinsweise, der sich von der Durchstrukturiertheit des Lebens emanzipiert hat und ständig Neues kennenlernt, was wiederum seine Bilder beeinflusst. Der Kopf muss ganz Auge werden, um eintauchen zu können in diese Welt, in der Luetzelschwab das im Rohen und Unzugänglichen Entdeckte mit eigenen Zeichensetzungen verquickt. Auf Grundlage seiner Fotodokumentation entstehen Siebdrucke, gedruckt auf Papier, Leinwand, Holz, Glas und Spiegel, die mit Schablonen und transparenten Spraylacken überarbeitet werden. Auf diese Weise knüpft sich das Drauà Š¸en an das Drinnen, Betonwand an handliches Bildformat ... und Nachtabenteuer und Tagträume zu einem sinnlichen Erlebnis. Christoph Tannert

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